Sommeruni 2009: Eine Holzmindenerin beim „Studieren probieren“ in Rinteln
Kurz vor dem Abi, noch keine Ahnung, was man später mal studieren will und keine
Lust, sich nur im Internet zu informieren? Dann ist die Sommeruni in Rinteln das
Richtige.
So ging es zumindest mir. Ich hatte zwar eine ungefähre Vorstellung, aber
was wirklich das richtige Studienfach für mich ist, habe ich erst bei der Sommeruni
herausgefunden. Und auch für diejenigen, die noch keine Entscheidung getroffen
haben, war die Sommeruni nützlich Denn es gab allgemeine Informationen rund ums
Studieren und natürliche eine Menge Spaß.
Am Sonnabend, den 25. Juli, ging es los. Morgens um 7.30 Uhr stand ich vor dem
Gebäude der Volkshochschule in Rinteln und wartete. Ich fragte mich, was ich
überhaupt hier mache, denn eigentlich denkt man in den Ferien um diese Uhrzeit
noch nicht mal daran aufzustehen. Aber es hat sich gelohnt, denn schon bald konnte
ich mich für meine Seminare einschreiben und meinen Schlafplatz in einem
Klassenraum beziehen. Wer später kam, musste damit rechnen, nicht mehr in die
gewünschten Seminare zu kommen.
Nach der Begrüßung durch die Veranstalter fanden die ersten Vorträge statt. Bei
„Wissen ist Macht – Wissen macht nix“ lernte ich, was Wissen überhaupt ist. Am
Sonntag begann der Tag mit einem Frühschoppen. Ich hatte mich für den politischen
entschieden und diskutierte dann mit meine Mitstudenten über Wahlen.
Die Seminare von Montag bis Freitag dauerten von neun bis 15 Uhr und meistens
ging es trotz der akademischen Viertelstunde pünktlich los. Die Themen reichten von
„Die ägyptischen Pyramiden: Gestalt und Funktion einer altägyptischen Gradform“
über „Mein Kleid ist ein Computer – Tragbare Technologien“ bis zu „Presse- und
Öffentlichkeitsarbeit“. Ich war sehr gespannt auf mein ersten Seminar. „Interkulturelle
Pädagogik“ sagte mir zwar anfangs nicht viel, aber ich bin ja schließlich bei der
Sommeruni, um neues auszuprobieren. Das Thema war tatsächlich interessant, aber
schon nach kurzer Zeit merkte ich wie meine Konzentration leider abnahm. Und
während sich mein Notizzettel zunehmend mit Strichmännchen füllte, erzählte der
Dozent ununterbrochen weiter, von sich selbst, seinen Reisen und seinen Büchern.
Aber so ist das wahrscheinlich nach 40 Jahren an der Uni.
Ganz anders lief es beim Seminar „Was ist Politik?“. Dort war alles so, als wären wir
wirklich gerade Studenten. Wir bekamen Texte über politische Theorien, erarbeiteten
diese, um die Inhalte schließlich in einer Gruppendiskussion nochmals zu vertiefen.
Nicht nur Studienfächer sondern auch Methoden wurden in Seminaren gelehrt. „Ich
will mich nicht nur über Studienfächer informieren, sondern ich will auch etwas
lernen, was ich jetzt schon gebrauchen kann und was im ganzen Leben nützlich ist.“
Das ist das Ziel von Lisa Berends (16) aus Lemwerder. Rhetorik, Zeitmanagement
und anderes sind da hilfreich. Ich selbst entschied mich für die „Grundlagen der
Sprechstimmbildung“. Ich lernte mit meiner Stimme Spannung, Bilder und
Atmosphäre zu erzeugen. Wir begannen mit Atemübungen und Übungen zur
besseren Durchblutung und Beweglichkeit der Lippen und Zunge und konnten zum
Ende hin Texte auf sehr überzeugende Art und Weise vortragen. Von den schnellen
Fortschritten innerhalb einer so kurzen Zeit war ich beeindruckt.
Doch ich will nicht behaupten, dass Sommeruni nur zum Lernen da ist. Der Spaß
beginnt schon im Schlafraum. 324 Teilnehmer, 20 Leute in einem Raum – man kann
sich vorstellen wie viele Leute man kennenlernt.
Die meisten Teilnehmer waren zwischen 16 und 19 Jahren alt und kamen aus
Niedersachsen, vor allem aus Hannover und Hameln. Aber es waren auch Leute aus
ganz Deutschland dabei. Und nicht nur das. Ich traf sogar Leute aus England, die
aus Kendal, der Partnerstadt Rintelns, kommen und das Angebot, für die Sommeruni
nach Deutschland zu reisen, von ihrer Schule bekamen.
Untergebracht waren wir im „Campus-Hotel“. Das klingt zunächst nach
Jugendherberge, aber ist damit doch nicht zu vergleichen.
Morgens klingelt nicht nur ein Wecker, sondern gleich zehn, wenn nicht mehr. Und
auch sonst ist immer jemand anderes da. Die Privatsphäre haben wir alle vermisst.
Aber die Gemeinschaft hat auch positive Seiten. Wir waren zwar eine sehr
unterschiedliche Truppe, haben uns aber alle super verstanden. Trotz der
unterschiedlichen Seminare war es klar, dass wir abends etwas zusammen
unternehmen. Und nicht selten wurde bis spät in die Nacht diskutiert. Dabei reichten
die Themen von Politik bis zu persönlichen Erlebnissen. Amüsant war es auf jeden
Fall.
Das Essen war definitiv besser als in der Jugendherberge. Es war immer für jeden
etwas dabei und es schmeckte.
Die Freizeitangebote waren sehr interessant und dabei gab es ebenfalls neues
auszuprobieren. Los ging es am Samstag mit der Welcome Night, bei der mit
Comedy und Punkrock der Anfang gefeiert wurde. Mal etwas ganz anderes konnte
ich beim Poetry Slam erleben. Ein junger Künstler hat seine selbst geschriebenen
Texte live auf der Bühne vorgetragen. Dabei ist „vortragen“ etwas untertrieben: Er
schrie, sang, erzählte. Er lebte seine Texte. Und das hat überzeugt.
Wer lieber selbst etwas macht, anstatt nur zu zuhören, konnte das beim Songwriter-
Workshop. Und körperlich konnte man sich auch genügend betätigen. Ich versuchte
es mit „Fitness – Workout für alle“. Obwohl ich ganz schön ins Schwitzen kam,
machte das Aerobic- und Muskeltraining wirklich Spaß. Man kann ja nicht immer nur
rumsitzen, auch wenn ich das Basketball- und Volleyballspielen doch lieber den
anderen überlassen habe.
Nach der „Last Night Disko“ fand am Freitag noch eine Studienberatung durch
verschiedene Universitäten aus Niedersachsen statt und dann war sie auch schon
vorbei, die Sommeruni 2009.
„Ich habe festgestellt, dass ein duales Studium wohl der richtige Weg für mich ist.
Aber das Beste waren die vielen sozialen Kontakte. Man lernt Leute kennen, die
intellektuell auf der gleichen Höhe sind und mit denen man sich vernünftig
unterhalten kann“, erzählte Gesa Klages (18) aus Sehnde. Alle stimmen ihr zu. Es
hat sich gelohnt, an der Sommeruni teilzunehmen.
Nach dem die Zertifikate ausgeteilt und Handynummern ausgetauscht sind, heißt es
dann endgültig Abschied nehmen. Und nach so einer Woche darf man dann auch
mal etwas sentimental werden.
Ines Küster